Georg Bühler - Kunst und Fotografie

Objektivblende und Tiefenschärfe

In der Regel besitzt ein Fotomotiv eine gewisse Tiefenausdehnung.

Wird auf die gewünschte Objektdistanz scharf gestellt, kommt es je nach verwendeter Objektivbrennweite und eingestellter Öffnungsgröße der Objektivblende zu einer mehr oder weniger ausgeprägten "selektiven Schärfe".

Vor und hinter dem fokussierten Objekt kommt es im fotografischen Bild zu einer starken Unschärfe.

Das Spiel mit einer gezielten Unschärfe in Vordergrund und Hintergrund gehört zu einem der stärksten Gestaltungsmittel in der Fotografie, da es mit den Sehgewohnheiten des menschlichen Auges bricht, und die Aufmerksamkeit auf das abgebildete Motivdetail lenkt.

300 mm / Blende 5,6
200 mm / Blende 4

Für den gekonnten Umgang mit Schärfe und Unschärfe gilt es nun Folgendes zu berücksichtigen.

Die Wahl der Objektivbrennweite und der Aufnahmedistanz ist ebenso wie die Öffnungsgröße der Blende entscheidend für den Schärfebereich.

Teleobjektive besitzen generell eine geringe Tiefenschärfe, je länger die Brennweite desto geringer die Tiefenschärfe.

Bei kurzer Aufnahmedistanz schrumpft die Tiefenschärfe ebenfalls.

Bei voll geöffneter Blende am Objektiv wird die geringste Ausdehnung der Schärfe im fotografischen Bild erzielt, bei maximal geschlossener Blende ist die Tiefenschärfe dagegen am größten.

Die Auswirkung der Blendengröße zeigen die beiden untenstehenden Fotos.

180 mm / Blende 2,8
180 mm / Blende 16

Weitwinkelobjektive sind für das gestalterische Spiel mit der Unschärfe nicht tauglich. Sie besitzen einen riesigen Schärfebereich der weitgehend unabhängig von der eingestellten Objektivblende ist.

Ausnahme sind Aufnahmen im Nahbereich (Makrofotografie) bei denen die Tiefenschärfe auch bei Weitwinkelobjektiven durch die extrem kurze Aufnahmedistanz stark schrumpft.